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KI – Kooperative Intelligenz als wertvollste Ressource. Oder: Die Grenzen der künstlichen Intelligenz

In Zeiten der Digitalisierung rückt die Mensch-Maschine-Zusammenarbeit in den Fokus. Zeitaufwändige Routinearbeiten werden von Maschinen oft sogar in besserer Qualität erledigt. Computer scheinen uns in Sachen Kooperation einen großen Schritt voraus zu sein. Sie arbeiten ohne Vorbehalte zusammen. Der Maschine ist es egal, ob die Daten von einem Windows, Linux oder Mac-System kommen. So werden Maschinen rasend schnell gemeinsam intelligenter. Künstliche Intelligenz ist der entscheidende Faktor der technischen Weiterentwicklung.  Doch sie hat ihre Grenzen.

 

Für Aufgaben, wie die Entscheidung, woran die Maschinen überhaupt arbeiten, die Interpretation der Ergebnisse sowie die Entwicklung neuer Ideen ist die Mensch-Mensch-Zusammenarbeit wertvoller denn je. Weil Maschinen etwas Wesentliches fehlt, nämlich Intentionalität, sprich die Fähigkeit, ihr Tun bewusst auf ein Ziel auszurichten. Also der eigene Antrieb zu lernen, sich weiterzuentwickeln und Probleme zu lösen, woraus Fantasie und Kreativität – oder noch besser Ko-Kreativität – entstehen.

 

Warum das so ist, erklärt der Neurobiologe Gerald Hüther: Das menschliche Gehirn stellt uns mehr Potenzial zur Verfügung als wir umsetzen können. Daraus entstehen Bedürfnisse und daraus wiederum Absichten. Je herausfordernder die Aufgabe, desto wichtiger ist die Mensch-Mensch-Zusammenarbeit, weil wir bei positiver sozialer Interaktion besonders lernfähig und kreativ sind.

 

Innere Verpflichtung, dem Miteinander gerecht zu werden

Zusammenarbeit und Kooperation ist uns Menschen in die Wiege gelegt. In Gruppen, den früheren Clans und Tribes, investieren wir Zeit und Energie, um andere kennenzulernen und zu verstehen, weil wir ihnen dann besser vertrauen können. Wir strengen uns an, Konflikte zu bewältigen. Wir spüren den moralischen Druck, unsere eigenen Interessen hinter das Gruppeninteresse zurückzustellen.

 

Das menschliche ist ein soziales Gehirn. Wir haben spezielle Gehirnzellen, mit denen wir das Verhalten unseres Gegenübers vorausahnen und uns so auf ihn einstellen können – die sogenannten Spiegelneuronen. Unser Gehirn belohnt uns mit Dopamin, wenn wir gelingende soziale Interaktionen erleben.

 

Außerdem haben wir Menschenkeine angeborene Sperre, was die Kooperation mit Fremden angeht. Dies sieht bei den Schimpansen, unseren nächsten Verwandten im Tierreich, schon ganz anders aus. Zwei fremde Horden in einem Raum können nicht anders als miteinander zu kämpfen. Wir Menschen können uns mit Menschen arrangieren, zu denen wir noch keine soziale Bindung haben. Zum Glück! Denn die heutige globale und agile Arbeitswelt konfrontiert uns schnell wechselnd mit Menschen unterschiedlicher Kulturen, Disziplinen und Interessen, mit denen wir gemeinsam zu Ergebnissen kommen müssen.

 

Wir brauchen mehr kooperative und kollaborative Intelligenz denn je! Sie zeigt sich, wenn Individuen intelligent zusammenarbeiten. Also dann, wenn sie in kurzer Zeit etwas schaffen, was ihnen alleine nicht gelingen würde. Lasst uns also die natürliche Kooperationsfähigkeit auf ein neues Level heben! Durch mehr …

 

1. … Menschlichkeit in unseren Beziehungen.

Menschen sind soziale und vor allem emotionale Wesen. Wir lesen die anderen um uns herum, deuten deren Signale. Jeder Sportler, jeder Musiker kennt die Wirkung jubelnder Fans. Es ist deutlich leichter, mit Ansporn über sich hinauszuwachsen als wenn wir mit Abwertung und Desinteresse konfrontiert sind. Unser Gehirn funktioniert in einem positiven sozialen Klima deutlich besser. Ermutigende und unterstützende Signale helfen uns dabei, unser ganzes Potenzial freizusetzen. Wir schaukeln uns gegenseitig hoch. So entsteht Ko-Kreativität. Unsere kollaborative Intelligenz steigt, wenn wir genau das einsetzen, was Maschinen nicht haben. Unser Herz.

 

2. … Zeit für den persönlichen Austausch.

Das Homeoffice steht hoch im Kurs. Nicht nur weil es Flexibilität bringt, sondern auch um ungestört arbeiten zu können. „Wenn ich könnte, würde ich gar nicht mehr ins Büro gehen.“ Das sagen immer mehr Heimarbeiter. Genau das kann allerdings zum echten Erfolgsverhinderer werden, weil wir uns zu wenig austauschen. Natürlich geht das auch virtuell, aber die persönliche Begegnung aus der Bindung und Nähe entstehen, also der menschliche Funke, den kann das nicht ersetzen. Nutzen wir also – und sei es nur ab und zu – die Bürozeiten, um mit anderen wirklich in Kontakt zu gehen.

 

3. … gemeinsames Lernen durch eine offene Kommunikation.

Der größte Teil des Lernens findet nicht in Seminaren statt, sondern am Arbeitsplatz. Andere zu fragen oder über eigene Lernerfahrungen zu sprechen, steht in deutschen Büros nicht hoch im Kurs. Doch gerade das fördert den gemeinsamen Lernprozess. Denken und arbeiten wir also „laut“! Tauschen wir uns mit Kollegen aus. Erzählen wir von Erlebnissen, Ergebnissen und – ja, besonders auch – von persönlichen Herausforderungen. Indem wir uns aktiv gegenseitig befruchten überwinden wir Probleme und Hindernisse leichter und lernen schneller.

 

Was bliebe von uns übrig, wenn wir all das abziehen, was wir von und durch andere gelernt haben? Was bliebe von all dem übrig, was wir haben, wenn wir das abziehen, bei dem andere mitgewirkt haben? Nicht viel! Kooperative Intelligenz ist der zentrale Treiber menschlicher Entwicklung ebenso wie wirtschaftlichen Fortschritts.

 

  • Stellen wir uns ein Unternehmen vor, in dem nur Konkurrenz herrscht und keine Kooperation. Das wäre nicht überlebensfähig.
  • Stellen wir uns ein Unternehmen vor, in dem nur Kooperation herrscht und keine Konkurrenz. Ist es nicht genau das, was moderne Organisationsformen anstreben?

 

Das Aufbrechen von Silos, cross-funktionale Zusammenarbeit, Think Tanks, Beweglichkeit, Kollaboration und Ko-Kreativität ist genau das, was momentan am besten zu den Anforderungen der Umwelt passt.

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